Theresa
Ein Sommerabend im Wonnemonat. Der Abend tanzt feuchtwarm über der ländlichen Idylle. Seine Tanzpartner: Musik und Dialekt. Ein aromatischer Geruch wabert in der Luft. Ich schnuppere. Eine Mischung aus Grillhendl und Bier. Getragen von der heiteren Atmosphäre schlendere ich weiter. Volkstümlichen Klängen entgegen. Bleibe stehen. Menschen strömen vorbei. Sie tragen Tracht. Stolz, ehrfürchtig. Mein Blick wandert. Unschlüssig. Auf der Suche nach vertrauten Gesichtern. Sehe deines. Unerwartet. Ein Karussell. Es dreht sich immer schneller. Das pulsierende Herz will Kompass sein. Ich folge.
Theresa! Verlegen schaue ich in deine dunklen Augen. „Fast“ sage ich und blicke in die umstehenden Gesichter. Deine Freunde, meine Fremde. „Stefanie“ sage ich schließlich. Lächle in die Runde. Gezwungenermaßen. Komisch. Für uns Beide. Doch der Moment der Unangenehme verfliegt. Du wendest dich mir zu. Erzählst etwas. Schaue dich an. Versuche am Boden zu bleiben. Werde schwerelos. Deine Stimme vibriert. Mischt sich mit der Musik. Die Melodie der Versuchung dringt an mein Ohr. Du willst in eine Bar. Nach drinnen. Trotz lauem Sommerabend. Ich stimme zu. Du und ich. Sonst niemand. Die Tür hältst du mir auf. Wir tauchen ein. In schummriges Licht. Stickig. Kleine Gläschen. Eine orangefarbene Flüssigkeit. Ich hinterfrage es nicht. Trinke einen Schluck. Will die Nervosität loswerden.
Wieder redest du. Ich höre zu und schweife ab. Bin ich enttäuscht? Du hast meinen Namen vergessen. Nach wenigen Wochen. Weißt du nicht mehr? Unsere erste Begegnung. Im weißen Kleid. Im schwarzen Anzug. In der Ballnacht. Die Leidenschaft glühte. Die Anziehung war spürbar. Der Funke nicht. Die Glut erlosch, ehe der Morgen über uns hereinbrach.
Kein Wiedersehen. Vorerst. Dann eine Begegnung. Ganz zufällig. Am vierten Februar. Der Hochzeitstag meiner Großeltern. Der erste den Oma als Witwe verbrachte. Habe ich dir das erzählt? Beim Kaffee im kleinen Gasthaus am See. Hast mich abgeholt und heimgebracht. Haben nächtelang geschrieben. Plötzlich nicht mehr. Was bin ich für dich? Mag die Ungewissheit nicht. Der Abend liefert keine Antworten. Wir verlassen das Lokal. Treffen deine Freunde. Sitzen nebeneinander. Dröhnende Musik. Lärmende Gedanken. Irgendwann greifst du nach meiner Hand. Behutsam, geheim. Unterm Tisch. Es nimmt wieder Fahrt auf. Das Karussell.
