Phönix
Ratsch. Eine hastige Bewegung. Es ist zu. Versiegelt. Still liegt es vor mir. Ein Packet. Ein Weihnachtsgeschenk. Am fünften Dezember. Es ist schon Nacht. Draußen kalt. Winterlich. Hier drinnen warm. Wohlig. Ein Symbol. Die Schachtel. Verschlossen. Die Erinnerungen. Weggesperrt. 26 Tage. Bis Jahresende. Silvester. Woran werde ich heuer denken? Wenn Mitternacht den Neuanfang verkündet. An die Veränderung. An die Geschichten. An das Buch. Mein erstes. Mein ganzer Stolz. An den Sommer. An die Nacht am See. Den Rotweingeschmack. An den einen. Der immer da war. Im August mein Herz bekam. Leichtsinnig. Wonnetrunken. Der es im November brach. Die Trennung. Komisch. Friedlich. Zwei Stunden. Tränen. Nicht länger. Bin allein. Schon wieder. Ein Neuanfang. In den Startlöchern. Ein neuer Job. Ein neues zu Hause. Weg aus der Heimat. Befangen. Langweilig. Noch sieben Tage. Lockdown. Voraussichtlich. Verdammt. Plötzlich zu wenig Zeit.
Wurde verlassen. Um zu verstehen. Zu begreifen. Es endlich auszusprechen. Ich habe sie getroffen. Die Liebe meines Lebens. Kitschig in der Vorstellung. Toxisch in der Realität. Hast mir geschrieben. Im Oktober. Wolltest dich treffen. Bevor ich gehe. Ging nicht. Verboten. Vergeben. Gerade ist alles anders. Ich sehne mich nach dir. So sehr. Bin wankelmütig. Ein letztes Mal. Danach nie wieder. Ich schwöre. Werde den Neuanfang genießen. Nie wieder zurückblicken. Ich verspreche es. Die Vorstellung. So reizend. Du und ich. Ein allerletztes Mal. Will mit dir schreiben. Nächtelang. Kokett. Erotisch. Das Treffen ersehnen. Versuchen stark zu bleiben. Zusammenbrechen. In deine Arme fallen. Wenn sich unsere Lippen berühren. Will dich küssen. In deine dunkelbraunen Augen sehen. Deine Nähe spüren. Die Magie. Die Gedanken ausschalten. Nur für einen Moment. Das vollkommene Glück spüren. Ohne Reue. Kein Gedanke an das Morgen. Wenn du dann weg bist.
Hast mich in die Hölle geschickt. Mehrmals. Bin verbrannt. Komplett. Asche. Das Ende. Vor dem Neubeginn. Der Phönix stieg empor. Flog höher als jemals. Hab mich zurückgekämpft. Das Kapitel. Geschlossen. Auf alle Zeiten. Wurde beschenkt. Reich. Vom Leben. Hab neue Knospen gebildet. Stand im Sommer in voller Blüte. Vom Wind gebeutelt im Herbst. Und jetzt? Es ist Winter. Erfriere und taue auf. Gleichzeitig. Ein neues Kapitel beginnt. Ganz bald. Frische Seiten. Ohne vergilbte Tintenkleckse. So soll es sein. Trotzdem. Ich drohe zu erfrieren. Ich brauche dich nicht. Aber ich will dich. So sehr. Lass mich noch einen Fehler machen. Der letzte. Der allerletzte. Versprochen.
