Heimspiel
Ein Spätsommertag. Angenehm warm. Ein Windhauch streift meine Beine. Knallrot. Mein Kleid hebt sich deutlich ab. Blau ist die Nuance der Stunde. Zweiundzwanzig Männer. Eine Kugel. Die mehr als die Welt bedeutet. In den schwarz-blauen Trikots steht sie da. Die Heimmannschaft. Ein Sieg wird erwartet. Kompromisslos. Es ist angerichtet. Die umliegenden Berge, sanft ins Licht getaucht. Der Rasen. Saftig grün.
Ein gellender Pfiff. Das Schauspiel ist eröffnet. Fünfundvierzig Minuten zwischen Angst und Euphorie. Die Spannung ist gemäßigt. Viel Aufregendes gibt es nicht zu sehen. Mau. Die erste Halbzeit. Man unterhält sich. Zwischen Bier und Bosna. Erzähle von einem nervenaufreibenden Spiel. Vor acht Wochen. In Wien. Aber das hier ist nicht die oberste Spielklasse. Unterliga statt Bundesliga. Pause vorbei. Zurück auf die Plätze. Anpfiff zweite Halbzeit. Alles unverändert. Die Kapitänsbinde schillert knallgelb. Fünfzehn ist die Trikotnummer. Gestehe bin nicht nur des Sportes wegen hier. Eine Verlockung. Ein Reiz. Ihn spielen zu sehen. Der wahre Grund meiner Anwesenheit. Bin aus dem Alter raus. Eigentlich. Den Teenie-Jahren. Den Schwärmereien. Himmle ihn an. Trotzdem. Hübsch anzuschauen – die Meinung meiner besten Freundin. Hab sie mitgezerrt zum Spiel. Wenig Interesse ihrerseits. Sie mag Fußball nicht. Und Männer. Enttäuschungen. Leere Versprechen. Verlogene Gefühle. Sie hat keine Hoffnung mehr. Die Aussicht auf richtige Männer? Negativ. Desolat. Bin weniger kritisch. Würde gerne jemanden kennenlernen. Auf Dates gehen. Glückt mir nicht. Ziehe mich zurück. Sobald es ernster wird. Renne weg. Wenn die Welle kommt. Will trocken bleiben. Keine Tränen vergießen. Kein Herz, dass in tausendundeinen Splitter zerbricht.
TOOOOOOOR!!! Plötzlich überrollende Lautstärke. Die ganze Tribüne steht auf. Jubelt. Liegt sich in den Armen. Absolute Ekstase. Hochgefühl. Der Stadionsprecher verkündet die Details:“ Sechsundsechzigste Minute, Führungstreffer unserer Mannschaft, Torschütze zum eins zu null unser Kapitän!“. Kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ausgerechnet er. Der Freudentaumel ebbt ab. Das Spiel geht weiter. Langsam wird es kühler. Der Wind frischt auf. Bald kommt der Herbst. Der Bote der Flüchtigkeit. Zweiundneunzigste Minute. Ende. Aus. Abpfiff. Die Mannschaft jubelt vor uns. Der Fantribüne. Applaus. Ein sichtlich zufriedener Kapitän. Unsere Blicke treffen sich. Ein kurzes Zwinkern. Vergänglich wie der Sommer. Der eine. Am See.
