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Der Schwan

Es glitzert. Im Schatten liegt noch Schnee. Letzte Zeitzeugen des vergangen Winters. Sanfte Triebe. Grün, lebendig. Zarte Boten des Frühlings. Angenehm warm. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Die Luft frisch und rein. Geschwängert vom Zauber des Anfangs. Es knirscht. Ein Schotterweg. Umsäumt von purer Natur. Ein Rascheln. Ein buschiger Schweif. Ein Eichhörnchen erklimmt gerade einen Baum. Wuselt hinauf. Blitzschnell. Setzt zum Sprung an. Verfehlt. Landet wieder am Boden. Prompt ein weiterer Versuch. Geschafft. Ich halte inne. Denke nach. Gleite ab. Diese Szene. Eine Offenbarung. Für den aufmerksamen Beobachter. Ein Sinnbild fürs Scheitern. Fürs trotzdem nicht aufgeben. Fürs Kämpfen. So leicht, selbstverständlich. Der Anschein. Beim tierischen Geschöpf.


Es geht ums Weitermachen. Den Widrigkeiten trotzen. Das Positive erkennen. Wie den zarten Frühlingsduft in der Nase. Leben statt Überleben. Genießen. Glücklich sein. Bedächtig setze ich ihn fort. Den Spaziergang. Suche Ruhe. Gelassenheit. Einsamkeit. Wähle sie bewusst. Eine Gabe. Eine Kunst. Auch mal allein sein zu können. Den Gedanken Gehör schenken. Die Hintergrundgeräusche wahrnehmen. Die Lautstärke des Alltags zurückdrehen. Vögel zwitschern. Der Bach plätschert. Mündet in den See. Stehe am Ufer und atme tief ein. Fülle meine Seele. Mit belebter Luft. Mit neuem Lebensgeist. Die Welt befindet sich im Stillstand. Im Standby Modus. Fühle mich energetisch, frisch. Die Zeit war notwendig. Die alten Wunden - endlich geheilt. Neue Pläne, Ziele. Sprießen so frisch wie die ersten Knospen. Ein Neustart. Für mich. Ganz persönlich. Achtsam und bedacht. Dennoch mutig und leidenschaftlich. Gehe weiter. Ungewissheit und Veränderung. Ein Wendepunkt. Unischere Vorfreude. Mutige Vorsicht. Gegensätze. Aber so ist es. Das Leben.


Vereinzelt begegnen mir Menschen. Grußformeln durchbrechen die Stille. Eine kleine Bank. Hölzern. Verwittert. Lädt mich zu einer Rast ein. Die umliegenden Berge. Stark. Unnahbar. Spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Ein malerisches Bild. Die Kunst der Natur. Ein Schwan durchbricht das Aquarell. Mir fällt eine Geschichte ein. Ein Märchen. Das vom hässlichen Entlein. Ungeliebt. Unbeachtet. Ein Außenseiter. Bekümmert. Verzweifelt. Verwandlung zum Schwan. Neubeginn. Grazil. Lebensfroh. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. So viel Wahres liegt in der Geschichte. So viel Ich. Niemals aufgeben. Sie kommt. Die Wende. Flügelschlagen. Der Schwan steigt in die Luft. Ein Höhenflug. Ein Aufbruch.

Der Schwan
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