Hinter den Kulissen - ein Tag im österreichischen Parlament in Wien
- Stefanie

- 15. Sept. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Pallas Athene weist den Weg
Majestätisch steht sie da: Pallas Athene. In Form eines Brunnes, der von Theophil Hansen gestaltet wurde. Dahinter befindet sich der Eingang zu einer großen, spannenden und für viele auch unbekannten Welt. Der Besuchereingang des österreichischen Parlaments. Kurz nach dem Eingang passiert man eine alte Tür, um dann inmitten der Agora zu stehen. Beim Infoschalter bekommt man Auskünfte zu Führungen und wenn man diese schon gebucht hat auch das entsprechende Ticket. In der Agora gibt es eine Vielzahl von digitalen und analogen Informationsstellen. Die Themen behandeln die Geschichte Österreichs und der Demokratie. Die Parteivorstände stellen sich auf einer digitalen Videowand vor, ein Quizspiel lädt dazu ein, das persönliche Politikwissen zu testen und auf einer kleinen Tafel kann jeder seinen eigenen Gesetzesvorschlag notieren und aufhängen.
Die Bibliothek am hinteren Ende des Eingangs ist der Öffentlichkeit ebenso wie alle anderen zuvor geschilderten Bereiche zugänglich. Sie lädt mit ihren hohen Regalen, ihrem historischen Ambiente und der ausgezeichneten Bücherauswahl zum Verweilen ein. Speziell jetzt an verregneten Herbsttagen sehr zu empfehlen. Die restlichen Bereiche des Parlaments sind nicht frei zugänglich, können aber im Rahmen einer kostenlosen Führung (werden in deutscher und englischer Sprache angeboten) besichtigt werden.

Hinter den Kulissen
Der Treffpunkt für alle Führungen befindet sich auf der linken Seite des Informationsschalters in der Agora. Zuvor muss man sich ein Band mit dem Ticket abholen damit erkennbar ist welche Personen auf einen Rundgang warten. Über das neu renovierte, moderne Treppenhaus oder alternativ mit dem Lift geht es in den ersten Stock. Die Säulenhalle stellt das erste Highlight da. Sie besteht aus 24 Säulen, jede davon wiegt circa 16 Tonnen und wurde aus einem Stück Marmor gefertigt. Sie dient als Empfangshalle bei Staatsbesuchen oder zum Aufbau des Buffets bei offiziellen politischen Veranstaltungen. Für eine private Geburtstagsparty kann sie hingegen nicht gemietet werden, wie der Guide mit einem Augenzwinkern ergänzt. Neben geschichtlichen und architektonischen Informationen sind die Säle des Nationalrates, des Bundesrates und der historische Sitzungssaal ein besonderes Erlebnis. Im Nationalratssaal wie auch im Bundesratssaal kann man in den gemütlichen schwarzen Sesseln Platz nehmen und eine Perspektive genießen, die sonst nicht möglich ist. Während viele den Nationalratssaal nur aus dem Fernsehen kennen, wenn diverse Sitzungen übertragen werden, bekommt man bei einer Führung ein authentisches Gefühl für den Saal. Wer noch näher dran sein möchte, kann auch bei einer öffentlichen Sitzung im Besucherbereich auf der zweiten Galerie Platz nehmen.

Vielgerühmtes Österreich
Das Parlament durchlief viele historische Epochen in architektonischer wie auch in politischer Hinsicht. Direkt an der Wiener Ringstraße gelegen wurde es erstmals im 19. Jahrhundert eingeweiht. Für die Innen- und Außenarchitektur ist der in Kopenhagen geborene Theophil Hansen verantwortlich. Dieser betrachtete das in hellenistischem Baustil gehaltene Wiener Parlament als sein Lebenswerk. Zu Zeiten der Monarchie waren rund 500 Abgeordnete aus acht Nationen mit elf verschiedenen Muttersprachen im Abgeordnetenhaus vertreten. Somit hatte Österreich das erste multinationale Parlament der Welt.
Die Sitzungen wurden im historischen Sitzungssaal abgehalten (den ihr auch bei einer Führung sehen könnt) - heute dient er nur mehr für festliche Zeremonien. Damals war das Parlament in das Abgeordnetenhaus (Unterhaus) und das Herrenhaus (Oberhaus) geteilt, ähnlich dem noch heute vorherrschenden System in Großbritannien. Neben der ersten Zusammenkunft des Konstituierenden Reichstages 1848 gelten die Beratungen über den Staatsvertrag im Jahr 1955 sowie die Sitzungen bezüglich des EU-Beitritts von Österreich 1995 als die historisch bedeutsamsten Zusammenkünfte des Parlaments. Die Geschichte des Parlaments ist sehr vielseitig, zwischenzeitlich geprägt von den beiden Weltkriegen erglänzt es nun seit dem letzten Umbau, der von 2018 bis 2022 stattfand, in neuem Glanz und ist definitiv einen Besuch wert.
Für all diejenigen, die gerne noch mehr zur geschichtlichen Entwicklung lesen möchten, hier ist der vollständige Artikel, aus dem wir den überwiegenden Teil unserer Fakten zusammengetragen haben: https://www.parlament.gv.at/erleben/parlamentsgebaeude/geschichte/index.html

Wir hoffen, dieser Beitrag hat euch einige spannende Einblicke hinter die Kulissen des österreichischen Parlaments gewährt. Wir können euch einen Besuch inklusive kostenfreier Führung auf jeden Fall empfehlen. Genießt den beginnenden Herbst.
Alles Liebe & bis nächsten Sonntag.
Stefanie & Marios
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