Franz Lehar und die Festspiele
- Stefanie

- 8. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Die rosa - violetten Fahnen mit dem ikonischen Logo wehen im sanften Sommerwind vor einer prachtvollen Kulisse. Die hellrosa mit weißem Stuck verzierte Fassade des Kurhauses Bad Ischl thront über dem angrenzenden Kurpark, dessen Blumenbeete in voller Pracht erstrahlen. Auf der Terrasse des Kurhauses tummeln sich schon zahlreiche, elegant gekleidete Gäste, die bei sommerlichen Temperaturen ein Mittagessen genießen. Als kulinarische Ouvertüre bietet das Restaurant auch ein mehrgängiges. "Operetten-Menü" an.
Nach dem Essen lädt ein kurzer Spaziergang im Park dazu ein, sich noch etwas die Füße zu vertreten. Die Nachmittagsvorstellung beginnt um 15:30 Uhr. Mit "Eine Nacht in Venedig" steht für uns heute eine Operette von Johann Strauss am Programm. Bei einem kostümierten Venezianer kaufen wir uns ein Programmheft und blättern es am Weg in den ersten Stock durch. Für die Pause kann man bereits Getränke vorbestellen, um sich das Anstehen und Warten zu vermeiden. Keine schlechte Idee wie wir finden und geben unsere Bestellung ab. Gerade noch rechtzeitig hören wir die Durchsage, dass es im nahegelegenen Foyer eine Einführung in das heutige Stück vom Festspielintendanten persönlich gibt. Interessiert lauschen wir der kurzen Abhandlung über das Leben und Wirken von Walzerkönig Johann Strauss und die Hintergründe sowie die Erfolgsgeschichte von "Eine Nacht in Venedig". Anlässlich des 200. Geburtstages des Komponisten der dieses Jahr gefeiert wird ist es umso spannender in eines seiner Stücke einzutauchen.
Wir nehmen unsere Plätze im Theatersaal ein und lassen uns nach Venedig entführen, begleitet von fröhlicher Musik, prächtigen Kostümen und amüsanten Dialogen.
Damit befinden wir uns auch schon mittendrin im größten Operettenfestival Europas - Willkommen beim Franz Lehar Festival in Bad Ischl. Jährlich in den Sommermonaten Juli und August wird die Kleinstadt zur Bühne für drei verschiedene Operetten. Jedes Jahr ist eine davon von Franz Lehar - jenem Komponisten dessen Leben eng mit der Kaiserstadt verbunden war. Im heurigen Jahr war dieses Stück " Die blaue Mazur" eines jener Stücke aus der Feder von Lehar das noch nie in Bad Ischl gespielt wurde. Mit "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach war das Programm 2025 komplett.

Ein Ausblick
Für heuer ist die Spielsaison leider schon vorbei. Da das Leharfestival jedes Jahr aufs Neue einen Besuch wert ist, gibt es von uns bereits einen kleinen Ausblick ins Jahr 2026. Anschließend werden wir uns noch kurz mit der Biografie von Franz Lehar auseinandersetzen.
Boccaccio - Franz von Suppé
Premiere wird diese Operette des österreichischen Komponisten Franz von Suppé am 11. Juli 2026 feiern. Suppé gilt als Begründer der Wiener Operette (ein Sammelbegriff aller Operetten die in etwa zwischen 1860 und 1960 in Wien uraufgeführt wurden). Das Stück spielt im mittelalterlichen Florenz, das durch den Dichter Boccaccio in Aufregung versetzt wird. Seine Geschichten über das ausufernde Liebesleben der florentiner Damen setzt als ehrwürdig erachtete Männer unter Druck. Während in der Stadt seine Werke verbrannt werden, verliebt sich der Dichter in die schönste aller Frauen von Florenz.
Gräfin Mariza - Emmerich Kálmán
Um einem zudringlichen Verehrer zu entkommen, flüchtet die vornehme Gräfin Mariza auf ihr ungarisches Landgut. Sie täuscht eine Verlobung mit einem fiktiven Grafen vor. Dieser ist dann aber realer als gedacht und als sich auch noch ein armer Gutsverwalter in die vornehme Dame verliebt nimmt das Liebeschaos seinen Lauf - unterstrichen von lebhafter Musik und witzigen Dialogen.
Das die Operette in Ungarn spielt ist übrigens kein Zufall. Emmerich Kálmán ist in Ungarn geboren und gilt zusammen mit Franz Lehar als Begründer der Silbernen Operettenära. Gräfin Mariza ist eines der bekanntesten, ungarischen Werke in der Operettenwelt.
Der Göttergatte - Franz Lehar
Der Göttergatte wird als letzter seine Premiere feiern und viermal im Kurhaus Bad Ischl zu sehen sein. Ein Theaterdirektor der bei einem griechischen Gott um Hilfe und Inspiration fragt, Götter die sich in Sterbliche verwandeln und verführt werden - all das gepaart mit berührender Musik und einer halbszenischen Inszenierung. Diese Operette ist zum ersten Mal beim Leharfestival zu sehen.

Leben und Wirken von Franz Lehar
Franz Lehar wurde im April 1870 in Komorn im damaligen Österreich-Ungarn geboren (heute Komarno - Slowakei). Sein Vater war Kapellmeister einer Militärmusikkapelle und zugleich sein Lehrer. Bereits im zarten Alter von sechs Jahren startete er mit dem komponieren.
Im weiteren Verlauf seines Lebens studierte er Violine und nahm Engagements in Deutschland an, bis er als Kapellmeister zur selben Militärmusik wechselte die einst sein Vater geleitet hatte. In seinen Anfängen als Komponist war Militärmusik sein Schwerpunkt. Die erste Operette "Kukuschka" wurde in Leipzig aufgeführt. Der erste Durchbruch und Erfolg als Operettenkomponist gelang ihm mit dem Stück "Wiener Frauen". Dieses wurde im Theater an der Wien gezeigt.
Weltweiter Erfolg stellte sich mit der Aufführung der bis heute bekannten Operette "Die lustige Witwe" ein. Dieser Erfolg erlaubte es ihm schließlich auch neben Immobilien in Wien auch eine in Bad Ischl zu erwerben. Die Leharvilla steht auch heute noch im historischen Zentrum der Stadt und kann besichtigt werden.
Von den zahlreichen Operetten, die er schrieb, waren einige mehr und andere weniger bekannt. Zu den erfolgreichsten Werken zählen bis heute "Der Graf von Luxemburg", Zigeunerliebe", "Eva" und "Die blaue Mazur".
Verstorben ist Franz Lehar im Oktober 1948 in Bad Ischl, wo er bis heute den Operetten Festspielen seinen Namen verleiht. Er gilt auch als Ehrenbürger und hat ein Ehrengrab am Bad Ischler Friedhof.
Wir freuen uns bereits sehr auf den Festspielsommer 2026. Bis dahin werden wir euch noch an viele schöne Orte bringen, notiert euch die Leharfestspiele aber auf jeden Fall auf eurer Sommer Bucketlist 2026.
Alles Liebe,
Stefanie & Marios
Weiterführende Informationen / Links:
Lehar Festival Bad Ischl
Führungen in der Lehar Villa
Informationen zum Ehrengrab von Franz Lehar
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