top of page

Der Tod muss ein Wiener sein ...

  • Autorenbild: Stefanie
    Stefanie
  • 10. Feb. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

...dieses Zitat wird nirgendwo so deutlich wie hier. Weit außerhalb vom Prunk des ersten Wiener Gemeindebezirkes. Der über die inneren Bezirke erhabene Stephansdom nicht mehr sichtbar. Dafür ist es auch um einiges ruhiges. Speziell heute, an einem sonnigen, aber windig-kaltem Februarvormittag. Die Bäume sind kahl und der Wind pfeift mir eiskalt um die Ohren. Ein gräuliches Gebäude mit türkisen Außenverzierungen taucht in der Ferne auf. Ein dunkelgraues Schild mit der Aufschrift "Museum" weißt nach rechts. Vor dem Gebäude sind auf dem Asphalt Pfeile aufgemalt, die nach unten zeigen. Es geht also in den Keller. Wie passend. Der Eingangsbereich ist schummrig und nur mit gedimmten Lichtern ein wenig erhellt. Lediglich rund um den Kassentresen herrschen "normale" Lichtverhältnisse. Ich kaufe ein Ticket und starte damit in einen ganz besonderen Museumsbesuch....


eine Kirche vor einem blauen Himmel mit Sonne
Blick auf die Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus am Wiener Zentralfriedhof

Morbide Pietät - das Wiener Bestattungsmuseum

2014 hat das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof seine Pforten erstmals geöffnet. Angesiedelt im Untergeschoß der Aufbahrungshalle zwei finden Besucher und Besucherinnen auf 300 Quadratmetern rund 250 Exponate rund um die Themen Tod und Bestattung. Digitale Schaukästen zeigen Videomaterial von Begräbnissen bekannter österreichischer Persönlichkeiten. Die Geschichte der Bestattung Wien wird ebenso erläutert wie auch die Entwicklung der Bestattungs- und Trauermode. Ein Bestattungswagen, der extra für die Pariser Weltausstellung 1889 angefertigt wurde, ist ebenso zu finden wie auch vier verschiedene Sargtypen. Neben einem prächtigen Sarkophag ist auch der berühmt berüchtigte Sparsarg, auch Josephinischer Gemeindesarg genannt, ausgestellt. Dieser wurde von Kaiser Joseph II im Jahr 1784 eingeführt. Der Sarg verfügte über einen Hebel, der die Klappen an der Unterseite des Sargs öffnete und die in einen Leinensack gehüllte Leiche fiel ins Grab. Somit konnte der Sarg wiederverwendet werden - eine durchaus rationale Denkweise. Die Bevölkerung, vor allem die Bewohner der Bundeshauptstadt, wehrten sich jedoch vehement gegen diese pietätlose Reform. Nach einem halben Jahr wurde der Erlass daher wieder rückgängig gemacht. Das ist jedoch noch nicht das kurioseste Objekt, das im Bestattungsmuseum bestaunt werden kann. Auch ein Sitzsarg ist ausgestellt. Bei dem, wie der Name schon sagt, die Leiche im Sitzen begraben werden könnte. Solche Särge waren jedoch laut historischen Aufzeichnungen nie in Verwendung. Es handelt sich dabei lediglich um einen Entwurf.


Ein Objekt, das trotz seiner für heutige Verhältnisse enorm bizarre Wirkung vielfach in Verwendung war, ist der Rettungswecker. Dabei handelt es sich um eine technisch ausgeklügelte Konstruktion, die in den Sarg eingelassen war und es lebendig Begrabenen möglich machte, sich bemerkbar zu machen. In heutiger Zeit absolut unvorstellbar. Wem das alles noch nicht morbid genug war, der kann sich in eine ruhige Ecke des Museums auf eine kleine Bank setzten und sich die Top 10 Hitliste der Trauersongs der Bestattung Wien anhören.


Für manche von euch mag sich vieles vielleicht ein bisschen pietätlos anhören. Das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof ist aber alles andere als das. Es ist eine Hommage an den Beruf des Bestatters und die historische Entwicklung dieser Branche. Es bietet einen informativen Einblick, ohne dabei den Respekt hinsichtlich der Thematiken Tod und Sterben zu verlieren.


Gräber und eine Kirche
Neue Gräber am Wiener Zentralfriedhof - im Hintergrund die Kirche

Schwarzer Humor Deluxe - der Museumsshop

Ein Besuch des Museums wird am Ende durch den Museumsshop aufgeheitert. Die Bestattung Wien bietet ganz besonderen Merch an. Von der Sonnencreme "für die echte Leichenblässe" bis hin zur Luftmatratze und dem Badehandtuch in Sargform ist alles dabei. Unsere drei Highlights aus dem Shop haben wir euch unten auf einem Bild zusammengefasst. Für alle, die nach außergewöhnlichen Geschenkideen suchen und nicht so oft am Wiener Zentralfriedhof vorbeischauen, gibt es auch einen online Shop.


Souvenirs
Schwarzer Humor - "Souvenirs" aus dem Museumsshop

Für all jene unter euch, deren Interesse durch unseren Beitrag geweckt wurde hier ein paar Hardfacts rund um Öffnungszeiten und Preise.


Öffnungszeiten:

Mittwoch bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet - keine Führungen

Führungen: jeden ersten Samstag im Monat mit Voranmeldung


Preise:

Vollpreis: 9€

Ermäßigt: 7€

Kinder & Jugendliche: bis zum 6. Lebensjahr frei

Kinder 6-14 Jahren: 3€

Jugendliche 14-19 Jahren: 5€


Nekropole - Wiener Zentralfriedhof

Er gilt als einer der größten seiner Art in Europa und ihm wird in der Bundeshauptstadt eine große Bedeutung beigemessen - der Wiener Zentralfriedhof. Eine Totenstadt, die zugleich als Erholungsgebiet dient. Pietätvoll und eingebettet in ganz viel Natur bietet er auf 2,5 km² Platz für über 300.000 Gräber, darunter auch rund 950 Ehrengräber. Ein Ehrengrab gilt als die höchste Auszeichnung, die nach dem Tod von der Stadt Wien vergeben werden kann und gilt darüber hinaus auch als Kulturgut. Zahlreiche Besucher und Besucherinnen besichtigen den Friedhof und im Besonderen die Gräber von Falco, Udo Jürgens, Johann Strauss (Vater & Sohn) und noch vielen weiteren berühmten Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Gesellschaft.


Wer es statt einem gemütlichen Spaziergang lieber ein bisschen sportlicher mag, der kann auch eine der ausgeschilderten Laufrouten testen. Diese wurden von der Stadt Wien vor knappen sechs Jahren eingeführt. Gejoggt wurde auch davor schon sehr viel - die detaillierten Routen dienen hauptsächlich als Hinweis, wo Läufer mehr und wo weniger erwünscht sind. Trotzdem darf auf dem gesamten Gelände nach wie vor gelaufen werden. Ausgangspunkt (sowohl für einen Spaziergang als auch für die Laufrouten) ist dabei das Tor 2 des Wiener Zentralfriedhofs. Erreichbar mit den Straßenbahnlinien 11 und 71. Eine Allee führt direkt zur Präsidentengruft und weiter zur Kirche, die ihr euch am ersten Bild genauer anschauen könnt. Danach geht es auch schon wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die zweite Route führt weitaus tiefer hinein in das verzweigte Netz an Gräbern und einzelnen Sektoren. Das gesamte Areal ist allerdings bestens ausgeschildert.


Nach einem Spaziergang gibt es nichts besseres, als den Tag bei einer Wiener Melange und einer Torte ausklingen zu lassen. Diese Gelegenheit bietet sich in der berühmte Konditorie Oberlaa die mit vielen Filialen in ganz Wien vertreten ist.


Mehlspeisen und Kaffee
Ein Vanillekrapfen und eine Erdbeer-Obers-Torte in der Konditorei Oberlaa

Somit ist ein Ausflug in das Bestattungsmuseum ideal mit einem Spaziergang und einem Wiener Kaffeehausbesuch kombinierbar.


Alles Liebe aus Wien,


Stefanie & Marios


Kommentare


bottom of page