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Das Licht der Schöpfung

  • Autorenbild: Stefanie
    Stefanie
  • 13. Apr. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Beinahe unendlich ragen sie in den verregneten, rabenschwarzen Nachthimmel - die spitzen, gotischen Türme der Wiener Votivkirche. Die Fenster dahinter sind in Dunkellila erhellt und spiegeln sich auf der regennassen Straße. Die Szenerie ist mehr mit einem Geisterhaus zu vergleichen als mit einer Kirche. Etwas Mystisches, Anziehendes umgibt den Ort an diesem Abend. Je näher wir herantreten, desto mehr Menschen eilen geduckt unter Regenschirmen dem sicheren, trockenen Kircheneingang entgegen. Davor steht ein kleines, weißes Zelt, in dem Menschen mit Scannern darauf warten, dass wir mühsam die nassen Schirme verstauen und mit klammen Fingern unsere Tickets hervorkramen. Wir betreten die Kirche durch das Hauptportal und finden uns sofort in einer geheimnisvollen Atmosphäre wieder. Der Altar, das Kirchenschiff, die Säulen - alles wird von Scheinwerfern in prachtvolle Farben getaucht. Wir blicken uns um und lassen das eindrucksvolle Schauspiel eines solch historischen Gebäudes in Kombination mit modernster Technik auf uns wirken. Nach einem kleinen Rundgang durch die Kirche suchen wir uns unsere Plätze und warten gespannt auf den Beginn der immersiven Licht und Ton Show, die uns fasziniert und verzaubert zurücklassen wird.


beleuchtete Votivkirche bei Nacht
Gespenstisch & mystisch: die Votivkirche von innen beleuchtet

Immersive Experience in der Votivkirche


Unter dem offiziellen Titel "Light of Creation" findet die Show bestehend aus neuester Licht- und Tontechnik bereits seit Ende November 2024 in der Votivkirche statt. Die in sechs Akte eingeteilte Show stellt auf beeindruckende Weise die Phasen der Schöpfungsgeschichte dar. Die komplette Kirche dient dabei als "Leinwand", auf die die von Max Emanuel Cencic und seinem renommierten Künstlerteam konzipierte Show projiziert wird. Die rund halbstündige Show stellt die Genesis mit einem kunstvollen Gesamterlebnis aus Klang und Licht dar und zieht jeden Abend zahlreiche Besucher und Besucherinnen an.


Die Show wird zwei-, beziehungsweise dreimal (an Wochenenden) pro Tag gespielt. Für das immersive Erlebnis ist es wichtig, dass es draußen bereits dunkel ist. Somit startet die erste Vorstellung um 20:30 Uhr, die letzte am Wochenende sogar erst um 23:30 Uhr. Tickets gibt es für € 27 oder €22 Euro zu kaufen. Wo man dabei sitzen möchte, hängt von den persönlichen Erwartungen der Show ab. Ganz hinten genießt man einen Gesamtüberblick über die Kirche, bekommt jedoch weniger von den seitlichen Effekten zu sehen. Ganz vorne sieht man die Details des Altars am besten, der Gesamtüberblick geht jedoch ein wenig verloren. Von den mittigen Sitzplätzen lassen sich die Seiten besonders gut beobachten, jedoch gibt es hier einige sichteingeschränkte Plätze aufgrund der großen Luster, die von der Decke hängen. Aufgrund unserer Erfahrung lässt sich jedoch sagen, dass "Light of Creation" ein beeindruckendes Gesamtkonzept ist, bei dem es so viel zu sehen und zu hören gibt, dass die Wahl des Sitzplatzes nicht ausschlaggebend für das Erlebnis an sich ist. Für Familien wichtig zu beachten ist jedoch, dass die Show für Kinder unter sechs Jahren aufgrund der stroboskopischen Lichteffekte nicht geeignet ist.


Die gesamte Show ist schwer in Worte zu fassen - deshalb haben wir hier ein paar Eindrücke für euch.




Exkurs: Historie und Architektur der Votivkirche


In Alsergrund und somit im 9. Wiener Gemeindebezirk gelegen befindet sich die Votivkirche. Sie ist eine römisch-katholische Kirche und wird in der Architektur der Neugotik zugeordnet. Zudem gilt sie als einer der wichtigsten Sakralbauten dieses Baustils.

Der Grund, wieso diese Kirche erbaut wurde, liegt darin, dass ein Attentat auf den damals noch jungen Kaiser Franz Joseph I am 18. Februar 1853 glimpflich ausgegangen ist. Der Schneidergeselle János Libényi griff den Kaiser mit einem Messer an, als dieser gerade auf Bastei einen Spaziergang machte. Er wollte noch ein zweites Mal zustechen, konnte jedoch gestoppt und somit Schlimmeres verhindert werden. Die genauen Motive für das Attentat sind nicht bekannt, laut historischen Berichten soll der Kaiser ein Verhältnis mit Janos Schwester gehabt haben.


Unabhängig vom Motiv, das dem Attentat zugrunde lag, folgten langwierige Diskussionen, wo die Kirche letztendlich erbaut werden sollte. Schließlich durfte der Architekt Heinrich Ferstel über den Standort entscheiden. Der "Ringstraßendom", wie die Votivkirche aufgrund ihrer Lage auch genannt wurde, ist 99 Meter hoch und somit nach dem Wahrzeichen der Stadt, dem Stephansdom, die zweithöchste Kirche Wiens. In Summe zieren 78 Glasmosaikfenster die Kirche, die zuletzt in den 1970er-Jahren restauriert wurde. Generell gilt sie als eine aufgeschlossene, kosmopolitische Kirche. Dies verdeutlicht auch die "Light of Creation Show", bei der die Genesis in einer modernen technologischen Inszenierung vorgeführt wird. Jeden Sonntag um 11:30 Uhr findet eine Messe statt - sogar in verschiedenen Sprachen.


Wir sind auf jeden Fall begeistert von der Votivkirche mit all ihren Facetten. Lasst euch die immersive Show auf gar keinen Fall entgehen 😄


Nächste Woche am Ostersonntag gibt es unseren nächsten Beitrag 🐇🐰🥚


Alles Liebe,


Stefanie & Marios


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